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Das Zusammenfallen von Mythos und Logos

Die Sapir-Whorf-Hypothese besagt, heruntergebrochen, dass die Sprache(n), welche wir sprechen, unser Denken und unsere Welterfahrung maßgeblich bestimmen. Nimmt man diese These ernst, dann ist Etymologie auch die Geschichte der Denkmuster und Weltbilder einer Sprachgemeinschaft. Das historisch gewachsene Sprachmaterial ist laut dieser Ansicht das Halbzeug unserer Realitätskonstruktion. Die Geschichte häuft Zeichen in stetigen Abwandlungen auf die toten Symbole der Vergangenheit. Die Sprache wäre demnach im wahrsten Wortsinn geschichtet. Die Wahrnehmungsmenge, der wir den Begriff Welt zuschreiben, entstünde damit im Zusammenfallen von Logos und Mythos. Wie Zauberformeln würden Sätze die Konturen nachgiebiger Wahrheiten herausarbeiten. Doch es wäre wohl ein Fehler, die These so weit zu treiben, dass man daraus schließt, unsere Welt würde enden, wo sie an das Unsagbare stößt.